Aktuelles








Die Stimme für Kinder

Kinder und Gesundheit

Rauschmittelkonsum

Die Deutsche Kinderhilfe fordert alle Ebenen der Politik und Gesellschaft dazu auf, gegen das Problem des steigenden Alkoholkonsums bei Kindern und Jugendlichen anzugehen.

25.700 Kinder und Jugendliche zwischen 10 und 20 Jahren wurden 2008 stationär wegen Alkoholexzessen behandelt. Das entspricht einer Steigerung um 11 % im Vergleich zum Vorjahr. Besondere Sorgen bereiten die 4.500 Kinder im Alter von 10 bis 15 Jahren, welche aufgrund einer Alkoholvergiftung stationär behandelt werden mussten. Die Zahl der volltrunkenen Mädchen in der Altersklasse übertraf bereits zum zweiten Mal jene der Jungen (2.400 vs. 2.100).

Im Dezember 2009 gab Mechthild Dyckmans, Drogenbeauftragte der Bundesregierung, bekannt, dass der Alkoholkonsum von Kindern in den letzten zehn Jahren um 170 % gestiegen ist. Diese drastische Zunahme von immer mehr Kindern, die mit schwerer Alkoholvergiftung in die Kliniken gelangen, verdeutlicht, dass die Politik nicht länger die Hände in den Schoß legen darf. Der stark zunehmende exzessive Alkoholkonsum von Kindern und Jugendlichen, insbesondere aber der von Kindern, ist eine gesellschaftliche und politische Herausforderung und ein Bereich, in dem der Jugendschutz offenkundig versagt.

Das Problem ist ernst zu nehmen, denn Alkoholvergiftungen führen bei Kindern in diesem Alter immer zu bleibenden Schäden.

Die Deutsche Kinderhilfe appelliert an die Bundesregierung, die Ministerpräsidenten sowie an alle beteiligten politischen und gesellschaftlichen Gruppen, auf das Problem des steigenden exzessiven Alkoholkonsums bei Kindern und Jugendlichen endlich angemessen zu reagieren.

Darüber hinaus fordert die Deutsche Kinderhilfe:

  • den flächendeckenden Einsatz jugendlicher Testkäufer nach dem Vorbild Niedersachsens, um die Einhaltung des Jugendschutzes effektiv zu kontrollieren,

  • eine Kostenerstattungspflicht für Klinikaufenthalte und Rettungseinsätze nach österreichischem Vorbild: Dann ist „saufen“ schnell nicht nur „uncool“ sondern auch noch teuer,

  • die Verpflichtung von Kliniken, die Fälle von exzessivem Alkoholkonsum an das zuständige Jugendamt weiterzuleiten,

  • engmaschige Kontrollen skrupelloser Geschäftemacher, die Alkohol an Kinder und Jugendliche verkaufen auf kommunaler Ebene – gerade in den Abendstunden und an Wochenenden – durch Ordnungsämter,

  • die Ausschöpfung der Möglichkeiten des Ordnungsrechts zum Beispiel durch hohe Bußgelder für Verstöße gegen das Jugendschutzgesetz (Bußgelder bis 100.000 Euro sind auch heute schon möglich), die Wiederholung muss den Entzug der Gewerbeerlaubnis nach sich ziehen,

  • gesetzliche Werbebeschränkungen, da sich die Alkoholindustrie nicht an die Selbstverpflichtung, Jugendliche nicht gezielt zu bewerben, hält (Bsp. Biermixgetränke oder sonstige Mixgetränke),

  • die verpflichtende Einführung elektronischer Kassensysteme  für Gastronomie und Handel und die Implementierung arbeitsrechtlicher Konsequenzen beim Verstoß gegen das Jugendschutzgesetz,

  • keine kurzfristigen Kampagnen, sondern eine nachhaltige von der Alkoholindustrie finanzierte Aufklärungskampagne zur Veränderung des Trinkverhaltens bei Kindern und Jugendlichen sowie

  • eine verbindliche Einbeziehung der Schulen in Präventionsprogramme und -kampagnen.

  • Die Erhöhung der Alkoholsteuer ist ebenfalls zu diskutieren. Die Steuererhöhungen für die sogenannten Alkopops haben dazu geführt, dass diese Mixgetränke bei den Kindern und Jugendlichen heute kaum mehr eine Rolle spielen.


„Alkoholmissbrauch bei Kindern und Jugendlichen“
Wissenschaftliche Tagung der Stiftung Kindergesundheit und der Deutschen Kinderhilfe
am 16.7.2010 in München

Schirmherrin: Mechthild Dyckmans, Drogenbeauftragten der Bundesregierung



Anlässlich des von der Stiftung Kindergesundheit und der Deutschen Kinderhilfe veranstalteten wissenschaftlichen Symposiums „Alkoholmissbrauch bei Kindern und Jugendlichen“  am 16. Juli 2010 in München referierten und diskutierten namhafte Experten über den Umgang mit Alkohol in der Gesellschaft, insbesondere über den besorgniserregenden Anstieg des Koma-Saufens bei den Jüngsten sowie den unverantwortlichen Konsum von Alkohol in der Schwangerschaft. Ferner wurden epidemiologische, medizinische und psychologische Aspekte des Problems und Maßnahmen zur Prävention von Alkoholmissbrauch im Jugendalter dargestellt.

Es herrschte Einigkeit darüber, dass eine Präventionsarbeit – die die Zielgruppen tatsächlich erreicht – durchdacht und intensiviert werden muss. Viele ahnen nicht, dass Alkoholvergiftungen bei Kindern immer zu bleibenden Schäden führen.

Der immer stärker werdende exzessive Alkoholkonsum von Kindern und Jugendlichen, insbesondere aber der von Kindern, ist die gesellschaftliche und politische Herausforderung. Ein Feld, in dem der Jugendschutz aber offenkundig versagt.

Die Deutsche Kinderhilfe forderte daher die Politik auf, nicht länger die Hände in den Schoß zu legen und dem Druck der Alkohol-Lobby zu erliegen. Allein im Jahr 2008 wurden bundesweit 25.700 Kinder und Jugendliche im Alter zwischen 10 und 20 Jahren mit einer akuten Alkoholvergiftung in die Notaufnahme eingeliefert.

„Die Politik ist aufgefordert, den Jugendschutz endlich ernst zu nehmen und die bestehenden Bestimmungen konsequent anzuwenden. Es geht schließlich um den konkreten Schutz unserer Kinder vor schweren gesundheitlichen Schäden“, so Georg Ehrmann Vorsitzender der Deutschen Kinderhilfe am Freitag in München. „Eine systematische Verbesserung des Gesetzesvollzugs und eine konsequente Sanktionierung bei Verstößen gegen das Jugendschutzgesetz mit einem abschreckenden Mindestbußgeld sind ebenfalls dringend erforderlich“, betonte Ehrmann. „Nächtliche Alkoholabgabeverbote für Tankstellen und Kioske wie in Baden-Württemberg, der regelmäßige Einsatz von Textkäufern, Steuererhöhungen für alkoholische Getränke und ein Werbeverbot sind Maßnahmen, die von der Politik ernsthaft in Betracht gezogen werden müssen. Darüber hinaus sind finanzielle Mittel für eine flächendeckende Präventionsstrategie bereitzustellen“, so Ehrmann weiterhin.

Österreich hat mit der Pflicht der Eltern, die Kosten für die Rettungseinsätze und für die medizinische Behandlung übernehmen zu müssen, erste Erfahrungen gemacht. Auch in Deutschland sollte eine Debatte darüber geführt werden, ob es länger Aufgabe der Solidargemeinschaft der Versicherten sein soll, die offenkundige Vernachlässigung der Aufsichtspflicht der Eltern zu subventionieren. Kliniken sollten verpflichtet werden, die Fälle an das zuständige Jugendamt weiterzuleiten.

 „Im Schnitt landen in Deutschland jedes Wochenende 140 Kinder unter 14 Jahren mit Alkoholvergiftungen auf den Intensivstationen der Kliniken. Die Deutsche Kinderhilfe fordert die Politik auf, die Ergebnisse dieses Symposiums in einen nationalen Aktionsplan aufzunehmen. Die Landesministerkonferenz sollte sich dieses gravierende Thema umgehend auf die Tagesordnung schreiben“, so Georg Ehrmann, Vorstandsvorsitzender der Deutschen Kinderhilfe.

Mehr Informationen finden Sie hier.

Rauschmittelkonsum in der Schwangerschaft

Noch immer gelten das Rauchen und das Trinken von Alkohol in der Schwangerschaft als Kavaliersdelikte mit fatalen Folgen: 4.000 Kinder kommen in Deutschland jährlich mit dem so genannten Fetalen Alkoholsyndrom zur Welt, verursacht durch Alkoholkonsum in der Schwangerschaft. Selbst das berühmte „Gläschen in Ehren“ ist dafür bereits ausreichend.

Hier muss endlich eine konsequente Aufklärung als gemeinsamer Schritt von Politik und Industrie erfolgen. In enger Zusammenarbeit mit Geburtsmedizinern und Hebammen müssen Schwangere von Anfang an auf das durch Suchtmittelkonsum hervorgerufene hohe Risiko hingewiesen werden.



Tabak- und Wasserpfeifenkonsum bei Kindern und Jugendlichen

Ein von der Politik bislang ignoriertes Problem ist der Konsum von Wasserpfeifen (Shishas), der sich – gemäß der Drogenaffinitätsstudie 2008 – zu einer ernst zu nehmenden Variante des Tabakkonsums entwickeln könnte. Bereits im Jahr 2005 hat das Bundesinstitut für Risikobewertung (BfR) festgestellt, dass der Gebrauch von Wasserpfeifen kaum weniger schädlich ist als der Konsum von Zigaretten: Im Gegensatz zu den 35 ml, die als Zugvolumen beim Rauchen einer Zigarette nach internationalen Normen angenommen werden, inhaliert ein Wasserpfeifenraucher etwa 0,5 bis 1 Liter Rauch pro Zug. Auch die Suchtgefahr ist vergleichbar. Darüber hinaus kann die gemeinschaftliche Nutzung von Wasserpfeifen die Übertragung von Infektionskrankheiten begünstigen.

Über den Rauch von Wasserpfeifen werden zum Teil größere Schadstoffmengen aufgenommen als über filterlose Zigaretten: Eine Wasserpfeife entspricht den Giftstoffen von 100 filterlosen Zigaretten. Der langjährige Wasserpfeifenkonsum führt unter anderem zu Verschlechterungen der Lungenfunktion und zieht ein erhöhtes Risiko für Tumorerkrankungen nach sich. In Deutschland sind 14 Prozent der Jugendlichen so genannte „aktuelle Konsumenten“, das heißt, sie haben im letzten Monat mindestens ein Mal Shisha geraucht. Erschreckend ist die Tatsache, dass sich nur 48 Prozent der Shisha-Raucherinnen und -Raucher als solche verstehen und nur 38 Prozent der Shisha-Raucher den Kosnum von Wasserpfeifen für ziemlich oder sehr schädlich halten. Zum Vergleich: 91 Prozent von ihnen betrachten das Rauchen von Zigaretten als ziemlich oder sehr schädlich.

Dies deutet auf ein erhebliches Defizit in der Aufklärung über die mit dem Shisha-Rauchen verbundenen gesundheitlichen Risiken hin. Die Deutsche Kinderhilfe fordert die Drogenbeauftragte der Bundesregierung sowie die zuständigen Länderministerien auf, mit einer breit angelegten Informationskampagne explizit auf die mit dem Konsum von Wasserpfeifen verbundenen Gefahren für die Gesundheit hinzuweisen.